Die Geschichte des Turnvereins 1885 Hohenems
Bereits um 1880 schlossen sich in Hohenems turnbegeisterte Männer lose zusammen. Aus dieser Gemeinschaft entstand am 23. Februar 1885 offiziell der Turnverein 1885 Hohenems – ein Verein, der das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt über viele Generationen prägen sollte.
In den ersten Jahren wurde noch im Freien sowie in angemieteten Sälen verschiedener Hohenemser Gasthäuser geturnt. Der Wunsch nach einer eigenen Turnhalle wurde jedoch immer größer. Deshalb gründete der Verein 1895 ein eigenes Komitee zur Beschaffung eines Bauplatzes für eine zukünftige Turnhalle.


Mit großem Engagement begann eine beeindruckende Sammelaktion zur Finanzierung des Bauvorhabens. Freiwillige Beiträge der Mitglieder, Anteilscheine und Bausteinaktionen, Lotterien und Tombolas sowie Veranstaltungen wie Maifeiern, Weihnachtsbasare und Waldfeste machten den Traum einer eigenen Halle Schritt für Schritt möglich.
Ab 1899 konnte die neu errichtete Turnhalle der Knabenschule genutzt werden. Der Verein entwickelte sich dynamisch weiter: Bereits 1904 wurde – trotz Widerständen aus der Gemeinde – eine Mädchenriege gegründet. Ein Jahr später zählte der Verein schon rund 100 Mitglieder.
Ein bedeutender Meilenstein folgte 1906 mit dem Kauf des Bauplatzes an der Graf-Maximilian-Straße, wobei Graf Maximilian von Waldburg-Zeil das Grundstück zu äußerst entgegenkommenden Bedingungen bereitstellte. Nach Jahren intensiver Vorbereitung begann schließlich 1911 der Bau der eigenen Turnhalle nach den Plänen des ersten Bauleiters der Marktgemeinde Hohenems, Ludwig Morstein. Viele Vereinsmitglieder arbeiteten tatkräftig mit, sodass das Gebäude zwischen 1911 und 1913 entstehen konnte.
Die feierliche Eröffnung der Turnhalle fand vom 9. bis 11. August 1913 statt. Das Gebäude entwickelte sich rasch zu einem wichtigen gesellschaftlichen Mittelpunkt. Neben dem Turnbetrieb fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, und bereits ab 1913 wurde zusätzlich ein Kinobetrieb eingerichtet. Im Erdgeschoss zog außerdem die Spar- und Vorschusskasse ein.


Während des Ersten Weltkriegs diente die Halle auch sozialen Zwecken, etwa für Kinderspeisungen. Nach notwendigen Renovierungsarbeiten konnte 1919 der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden. Gleichzeitig nutzten zahlreiche Vereine und Gruppen die Halle für Veranstaltungen verschiedenster Art.
Der Zweite Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt: Der Turnverein 1885 wurde behördlich aufgelöst und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Zwischen 1945 und 1952 stand die Halle unter Verwaltung der Gemeinde beziehungsweise der Besatzungsmacht.
Mit großem Einsatz erfolgte 1955 die Neugründung des „Turnverein 1885 Hohenems“. Vier Jahre später, 1959, gelang schließlich die Wiedererlangung des Eigentums an der Liegenschaft samt Turnhalle.
In den folgenden Jahrzehnten blieb die Halle ein bedeutender Treffpunkt für Sport, Kultur und Gesellschaft. Sie wurde nicht nur der neu gegründeten „Turnerschaft“, sondern auch Schulen, Vereinen und Veranstaltern für Bälle, Konzerte und Theateraufführungen zur Verfügung gestellt.


Ein weiterer historischer Meilenstein folgte 2002, als das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde – als „architekturhistorisch bemerkenswertes Beispiel eines multifunktionalen Hallenbaus“.
2005 wurde der Saal von der Schubertiade angemietet, generalsaniert und die Außenanlagen neu gestaltet. Am 6. Oktober 2005 fand das Eröffnungskonzert im neuen Saal statt. Seither trägt die ehemalige Turnhalle den Namen Markus-Sittikus-Saal und verbindet auf besondere Weise die traditionsreiche Geschichte des Turnvereins 1885 mit dem kulturellen Leben der Gegenwart.

